Nicht ganz unbestritten ist für die Stadt Freiburg das Gründungsjahr 1157. Eine Gründungsurkunde ist nämlich nicht überliefert. Gleichwohl kann dieses Gründungsjahr anhand von Quellen und politischen Rahmenbedingungen indirekt erschlossen werden.
Im Jahre 1156 verlor Herzog Berchtold IV. von Zähringen seine Ansprüche auf das Rektorat über Burgund an König Friedrich I. Barbarossa, der die Tochter des letzten Grafen von Burgund geehelicht hatte.

Damit wurden die zähringischen Machtansprüche im Westen stark eingeschränkt. Als Abfindung erhielt Berchtold IV. die Regalieninvestitur über die Bischöfe von Genf, Sitten und Lausanne, wobei bei Genf und Sitten keine direkte Einflussnahme der Zähringer nachgewiesen werden kann. Es liegt deshalb auf der Hand, dass Berchtold IV. seine Hausmacht im Raum Aare / Saane und seine Rechte in Lausanne durch die Städtegründung von Freiburg untermauern wollte.
Eine Urkunde von Berchtold IV. für das Zisterzienserkloster Hauterive aus dem Jahre 1157 ermöglicht uns eine weitere Annäherung an das Gründungsjahr der Stadt Freiburg. In diesem Zollprivileg erlässt Berchtold IV. den Zisterziensern sämtliche Strassen- und Marktzölle in seinem Herrschaftsgebiet. Da aber vor der Gründung der Stadt Freiburg der nächstgelegene Markt Solothurn war, kann davon ausgegangen werden, dass zum Zeitpunkt der Ausfertigung dieser Urkunde Freiburg bereits gegründet worden war. Wer also vom Gründungsjahr 1157 für die Stadt Freiburg ausgeht, liegt sicher nicht falsch.

Wirtschaftliche Entwicklung und räumliche Ausdehnung
Damit einer solchen Städtegründung aber auch Erfolg beschieden war, mussten verschiedene Faktoren zusammenspielen oder geschaffen werden, die Berchtold IV. ganz bestimmt berücksichtigt hat:
Zu diesen Faktoren zählten die geografische Lage, die verkehrstechnische Anbindung und die rechtliche Ausstattung einer Stadt. Berchtold IV. gründete die Stadt auf einem Felsen in einer Saaneschlaufe. Damit konnte Freiburg leicht befestigt werden und bot so Schutz vor potenziellen Feinden. Auch war die verkehrstechnische Anbindung durch die schiffbare Saane und die neu geschaffene Ost-West-Handelsachse bestens gewährleistet. Schliesslich verlieh Berchtold IV. Freiburg ein Stadt- und Marktrecht (sehr wahrscheinlich dasjenige der Schwesterstadt Freiburg i Br.), das in der Fassung der kyburgischen Handfeste von 1249 immer noch erhalten ist.

Somit waren für die Bürger günstige Verfassungs- und Rechtsverhältnisse geschaffen worden, die dann wiederum der Stadt ein kontinuierliches Gedeihen ermöglichten. Und dies war auch der Fall. Denn zusätzlich zu den vorgenannten Punkten fiel die Stadtgründung Freiburgs in eine günstige Zeit. Der demografische Aufschwung, die klimatischen Bedingungen, ertragreichere Ackerbaumethoden und die bessere Haltbarkeit des Getreides förderten das rasche Gedeihen der jungen Stadt und forcierten die Bereiche Markt und Handel. So gelangten einige Bürger bereits früh zu einem ansehnlichen Vermögen. Von diesem Reichtum konnte wiederum die Pfarrei und insbesondere die Pfarrkirche St. Nikolaus profitieren, die reich dotiert wurde, womit auch deren (Aus-)Bau zum Wahrzeichen der Stadt vorangetrieben werden konnte.

Wechselnde Stadtherren
Mit dem Tod des letzten männlichen Zähringers, Herzog Berchtold V., im Jahr 1218 kam die Stadt Freiburg durch Erbgang in kyburgischen Besitz.

Die für jene Zeit wohl wertvollste Quelle, die uns Auskünfte über das städtische Leben geben kann, ist die bereits erwähnte kyburgische Handfeste aus dem Jahr 1249. Darin bestätigen die Grafen von Kyburg der Stadt und ihren Bürgern die von den Herzögen von Zähringen verliehenen Rechte und Freiheiten und erweitern diese gar. So wurden neben den politischen Rechten auch das Erb- und Strafrecht geregelt. Weiter enthält die Handfeste Vorschriften zu Markt, Zoll und Steuern.
Bereits 1277 endete die kyburgische Herrschaft über Freiburg. Die in Geldnöten steckenden kyburgischen Erben verkauften die Stadt an die Habsburger.
Die dezentrale Lage der Stadt Freiburg im Herrschaftsgebiet der Habsburger förderte und beschleunigte deren Entwicklung zum souveränen Stadtstaat. So wurde Freiburg im Anschluss an die Burgunderkriege zur freien Reichsstadt, nachdem sie bereits 1452 in den Besitz der Savoyer gelangt war. 1481 trat Freiburg nach zähen Verhandlungen der Eidgenossenschaft bei.
Reformation und Gegenreformation
Die Reformation ging auch an Freiburg nicht spurlos vorbei. Im Gegensatz zur zähringischen Schwesterstadt Bern hielt man aber am alten katholischen Glauben fest und vertrieb die sich zum neuen Glauben Bekennenden aus der Stadt. Die Gründe für dieses Festhalten am alten Glauben können nur erahnt werden. Wollte sich Freiburg von seiner Schwester-, aber auch Konkurrenzstadt Bern in religiösen Belangen abheben und hervortun? Ganz bestimmt wollte man nicht auf die von Zwingli beanstandeten und verbotenen lukrativen Solddienste für den Papst und für die Franzosen verzichten. Denn diese waren nach dem im 15. bzw. 16. Jahrhundert erfolgten wirtschaftlichen Niedergang der Stadt eine wichtige Einnahmequelle und ein demografisches Ventil.
Nachdem Freiburg gemeinsam mit dem reformierten Bern 1536 die Waadt erobert hatte und so in den Besitz des bischöflichen Bulle gelangt war, war Freiburg nun aber von reformiertem Territorium umschlossen. Auf den ersten Blick erweist sich diese Aktion und die daraus resultierende reformierte Umschliessung als strategisches Missgeschick. Auf den zweiten Blick muss aber festgehalten werden, dass Freiburg aus diesem Umstand Profit schlagen konnte. Die Stadt entwickelte sich nämlich zu einer Hochburg der Gegenreformation. Bereits im 13. Jahrhundert bildeten sich Klostergemeinschaften der Franziskaner, der Augustiner und der Zisterzienserinnen in und in nächster Umgebung der Stadt.

Auch die Ritterorden waren in Freiburg vertreten. Die seit 1224 bezeugte Niederlassung der Johanniter in der Au zog 1259 in die obere Matte, wo die Komturei entstand. Teile dieser Niederlassung sind noch heute erhalten. Im 16. und vor allem im 17. Jahrhundert liessen sich dann nacheinander die Jesuiten, die Kapuziner, die Kapuzinerinnen, die Ursulinen und die Visitandinnen nieder. Diese Klöster beflügelten nicht nur das geistliche und geistige Leben und somit die Gegenreformation. Auch das Handwerk erlebte eine neuerliche Blüte, da es beim Bau und bei der Ausgestaltung der Klöster tatkräftig mitwirken konnte.
Einflussreiches Patriziat
Ein starker Träger der Gegenreformation war auch das städtische Patriziat. Es gab sogar wichtige Impulse zur inneren Neuausrichtung von Klerus und Klöstern, indem es das Konkubinat verbot und weitere, das sittliche Leben betreffende Artikel für die Stadtbevölkerung erliess. Durch diese politische Regulierung bewahrte man sich den Einfluss auf die religiösen Institutionen in der Stadt und konnte gleichzeitig die päpstlich-kirchliche Einflussnahme eindämmen. Das städtische Patriziat sah selbständig zum Rechten und zelebrierte sich gleichzeitig. So stellten die einflussreichsten Familien Freiburgs ihre Wappen selbstbewusst im Gewölbe des 1630 fertiggestellten gotischen Chors von St. Nikolaus zur Schau. Durch konsequente Einschränkung der Politikfähigkeit von aufstrebenden und einflussreichen Bürgerfamilien konnte sich diese Oligarchie bis zur französischen Revolution halten.
Radikale und Konservative im Schlagabtausch
Am 2. März 1798 fiel Freiburg ohne grosse Kampfhandlungen in französische Hände, was das Ende des Stadtstaates und der Oligarchie bedeutete. Damit war die Grundlage geschaffen, dass sich nun auch das gebildete Bürgertum an der Verwaltung und der Regierung beteiligen durfte. Doch bereits mit der Mediation gelangten wiederum ehemalige, regierungsfähige Familien an die Macht zurück. Dieses in einen radikalen und konservativen Flügel gespaltene Patriziat zerfleischte sich mittlerweile gegenseitig. Nach intensivsten politischen Auseinandersetzungen machten die Konservativen den Radikalen in der Verfassung von 1830 einige Zugeständnisse. So wurde beispielsweise der Zugang zur Macht erweitert, gleichzeitig aber der Kreis der Wähler eingeschränkt.
1845 schloss sich Freiburg mit Überzeugung dem Sonderbund an, was bekanntlich in der Niederlage von 1847 endete. Nach dieser Demütigung wurde die konservative Regierung gestürzt und die Radikalen übernahmen nun die politische Verantwortung. Wichtige - bis jetzt brachliegende - Reformprojekte im Verfassungs-, Gesetzes-, Staats-, Justiz- und Schulwesen wurden angegangen.
Bereits 1856 meldeten sich die Konservativen mit einem eindrücklichen Wahlsieg zurück, wobei bei deren Machtübernahme nur die antiklerikalen Massnahmen der Vorgänger rückgängig gemacht wurden. Die Finanzlage Freiburgs war in dieser Zeit sehr angespannt. Die monetären Verpflichtungen, die der Staat für die neue Eisenbahnlinie zu berappen hatte, hemmten nun Investitionen in Infrastruktur, und eine eigentliche Industrialisierung blieb mit wenigen Ausnahmen aus. Genannt seien hier die heute noch bekannten Firmen Cardinal und Villars. 1889 konnte schliesslich die katholische Universität Freiburg gegründet werden. Um deren Finanzierung sicherzustellen, wurde 1892 die Staatsbank gegründet.
Eisenbahn, Autobahn und katholische Universität verhalfen der Stadt im 20. Jahrhundert zu einem bescheidenen wirtschaftlichen Aufschwung, der bis heute anhält.
Verwendete Literatur:
Foerster H. und Dessonnaz J.-D. (Hg), Die Freiburger Handfeste von 1249, Freiburg 2003.
Freiburg (Gemeinde), in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Band 4, Basel 2005, S. 715-724.
Freiburg (Kanton), in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Band 4, Basel 2005, S. 725-759.
Kurmann Peter (Hg.), Die Kathedrale St. Nikolaus in Freiburg. Brennspiegel der europäischen Gotik, Lausanne 2007.